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«Auf Achse sicher ins neue Jahr»

Urs Rösch im Nez Rouge-Fahrzeug, mit dem er auch an diesem Silvester wieder unterwegs ist, um fahruntüchtige Automobilisten sicher nach Hause zu bringen. Foto Monika Burger-Schwarzentruber

 

Als freiwilliger Fahrer der Aktion Nez Rouge chauffiert Urs Rösch in der Nacht von Silvester auf Neujahr Kunden mit ihren Autos nach Hause. Der Sekundarlehrer macht das mit viel Freude.

Monika Burger-Schwarzentruber

Während die meisten Silvester fröhlich unter Freunden oder gemütlich in der heimischen Stube feiern, ist Urs Rösch mit Kundschaft unterwegs in der kalten Nacht. Als freiwilliger Helfer geleitet der Grosswanger im Rahmen der Aktion Nez Rouge Feiernde nach Hause.

Müde oder ein Glas zuviel
An den Dezember-Wochenenden und vor allem während der Feiertage bietet Nez Rouge einen Fahrdienst an. Wer sich nicht mehr fahrtauglich fühlt, sei es wegen Müdigkeit, Alkohol, Stress oder anderem, ruft die Gratisnummer 0800 802 208 an, ganz nach dem Leitmotiv «Drink or drive». Schon bald erscheinen zwei Nez Rouge-Fahrer. «Der eine bringt die Kundschaft in deren Auto nach Hause, der andere fährt mit dem Nez Rouge-Fahrzeug hinterher und bringt den Fahrer danach zum nächsten Auftrag», erklärt Urs Rösch. Diese Dienstleistung ist kostenlos. Ein freiwilliger Beitrag ist aber immer willkommen. Dank dieser Spenden kann die Aktion, getragen durch die Schweizerische Stiftung und vor Ort organisiert durch die regionalen Vereine (Sektionen), überhaupt durchgeführt werden. Den Zweierteams wird ein Smart sowie je eine warme Winterjacke zur Verfügung gestellt. Lohn für den Fahrdienst, der je nach Tag von 22 Uhr bis 2 oder 5 Uhr morgens dauert, gibt es nicht. Was von den Spenden und Beiträgen übrig bleibt, wird einer gemeinnützigen Institution gespendet. Im vergangenen Dezember fuhren schweizweit 7032 Freiwillige 382 868 km und begleiteten 21 047 Personen sicher nach Hause.

Ausgerechnet an Silvester
Warum Urs Rösch, Ehemann und Vater zweier erwachsener Töchter ausgerechnet an Silvester für Nez Rouge unterwegs ist, hat seinen Grund: «Ich mag es, wenn etwas los ist und die Telefone auf der Einsatzzentrale heisslaufen. An den andern Nächten im Dezember geht’s etwas ruhiger zu und her», schmunzelt er. Vor 10 Jahren meldete sich Urs Rösch das erste Mal bei Nez Rouge Luzern, als Fahrer per Inserat gesucht wurden. Seither ist er fast jedes Jahr mit grosser Freude dabei. «Ich werde oft gefragt, weshalb ich dies tue. Ganz einfach: Der Einsatz für die Aktion Nez Rouge macht absolut Sinn. Prävention und Dienst am Kunden motivieren mich. Und ich fahre gerne Auto», fügt der 59-Jährige hinzu. Die Freiwilligen der Sektion Luzern treffen sich am Einsatzabend jeweils in der Zentrale der Motorfahrzeugkontrolle Luzern. «Die rund 30 Leute bilden jeweils innerhalb kurzer Zeit eine harmonische Gemeinschaft. Man wartet bei Kaffee, Sandwich und einem Jass auf den ersten Auftrag», freut sich Urs Rösch. Vor fünf Jahren hat der Grosswanger Lehrer die Lastwagen- und Carprüfung bestanden. Seither ist er ab und zu für ein Entlebucher Carunternehmen auf Achse. Das passe doch alles irgendwie zusammen, meint der charismatische Freiwillige: «Nez Rouge ist eine Sensibilisierungsmassnahme zum Thema Verkehrssicherheit. Als Lehrer will ich den Lernenden auch das Beste mitgeben und als Carchauffeur bin ich zum Dienst am Fahrgast verpflichtet.»

Viel Freundlichkeit und Wertschätzung
«Auf den Fahrten ergeben sich immer ganz interessante Gespräche mit den Fahrgästen. Meist können diese nicht verstehen, dass man in einer solch speziellen Nacht für andere Zeit opfert. Aber mir passt dieser Freiwilligeneinsatz. Ich spüre jeweils viel Menschlichkeit, Dank und Anerkennung», stellt Urs Rösch fest. Den Dienst von Nez Rouge nehmen interessanterweise meist Leute in Anspruch, die nicht übertrieben Alkohol intus haben. «Angeheitert ja, besoffen keineswegs», präzisiert der Fahrer. Schwierig kann es bei sehr winterlichen Strassenverhältnissen werden. «Man möchte die Kunden nicht warten lassen und muss doch zuallererst mal auf die eigene Sicherheit bedacht sein», beschreibt Urs Rösch. Angst vor unangenehmen Überraschungen hat der routinierte Fahrer nicht. «Ich erinnere mich gerne an meinen allerersten Auftrag. Da chauffierte ich einen nicht alltäglichen Chevrolet von Meggen nach Kastanienbaum, durch das automatische Gartentor direkt in die Garage einer Villa am See», lacht der Sekundarlehrer. Nez Rouge wird übrigens auch von der bfu, der Eidgenössischen Alkoholverwaltung sowie von namhaften Firmen unterstützt. Die Aktion wurde 1984 in Quebec, Kanada, erfunden und gelangte 1990 in die Schweiz. Übrigens, für den 31. Dezember 11, Silvesternacht, werden noch weitere Fahrer gesucht. Der Name «Nez Rouge» erinnert an das Weihnachtsmärchen vom kleinen Rentier Rudolf, das den Weihnachtsmann in seinem Schlitten zieht und mit seiner roten Nase den Weg in dunkler Nacht beleuchtet. Wie passend.

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