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«Lieber Samichlaus, stimmt es...?»

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Der Samichlaus bei einem seiner vielen Hausbesuche. Foto zVg

 

Schon bald zieht der Sami­chlaus wieder durch unsere Landen und besucht Kinder und Familien. In Ruswil beispielsweise hält die Chlausgruppe diesen Brauch hoch.


Interview Roland Meyer


Lieber Samichlaus, stimmt es, dass du bereits  vor Jahrhunderten gelebt hast? Und wie alt bist du eigentlich?
Tatsächlich ist es so, dass ich nun schon rund 1750 Jahre auf dem Buckel habe uns somit über eine sehr lange Tradition verfüge. Als Nikolaus wirkte ich nämlich in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, welcher damals Teil des Römischen Reiches war.

Was hast du denn damals getan, dass du ein Heiliger geworden bist?
Mit 19 Jahren bin ich zum Priester geweiht worden und war dann als Abt des Klosters Sion in der Nähe von Myra (heutige Türkei) tätig gewesen.  Während der Christenverfolgung vor 1700 Jahren bin ich gefangen genommen und gefoltert worden. Als Sohn reicher Eltern habe ich zudem mein ererbtes Vermögen unter den Armen verteilt. Deshalb bringe ich noch heute den Kindern Geschenke Nüssli und Mandarinen.

Bist du noch zeitgemäss oder veraltet?
Als St. Nikolaus gehöre ich nach wie vor zu den beliebtesten Heiligen und gehe mit der Zeit (bin zum Beispiel auch auf Facebook unter Sami Chlaus). In der Schweiz gibt es zwei Orte, die St. Nikolaus heissen. Auch viele Eltern geben Ihren Kindern auch meinen Namen. Werbemässig gibt es Firmen, welche meinen Namen bzw. meine Person einsetzen (braune Limonade). Dies gefällt mir zwar nicht.

Haben die Kinder Angst vor dir?
Nein, Angst nicht, jedoch Respekt. Viele Kinderaugen leuchten aber auch viele Herzen schlagen schneller, wenn die «Geiselchlöpfer» die Ankunft des Samichlaus ankündigen. Früher habe ich auf den Hausbesuchen viele Ruten bringen müssen. Heute ist es jedoch nur noch selten der Fall.
Was verdient der Samichlaus und gibt es genügend Nachwuchs?
Der Samichlaus gehört bei vielen Kindern einfach dazu. Das Leuchten in den Augen und die Sprüchli, welche auswendig gelernt werden sind Motivation und Lohn genug. Betreffend Nachwuchs sind wir stets bestrebt, neue Mitglieder in die Chlausgesellschaft aufzunehmen. Interessenten können sich melden. http://www.chlausgruppe-ruswil.ch/kontakt.html.
Gehst du nur zu den Kindern auf Besuch?
Nein, ich bin auch z.B. bei Firmen- und Vereinsanlässen oder im Altersheim gefragt. Zudem anlässlich des Chlausauszuges werde ich durch den Weihnachtsmarkt flanieren und Jung und Alt Freude machen.

Kommt es noch oft vor, dass dir die Kinder ein Gedicht oder Sprüchli vortragen?
Ja, dies ist eigentlich bei jedem Besuch so, dass die Kinder ein Sprüchlein vortragen, ein Lied singen oder ein Stück mit Klavier, Gitarre, Posaune vortragen. Dies ist jeweils sehr schön.

Du siehst auf deinem Rundgang in viele Stuben und lernst viele Familien kennen? Ist dir eine Begegnung in besonderer Erinnerung geblieben?
Ja. Es gibt jedes Jahr ein paar Highlights und dies nicht nur bei den Familien und Kindern. Auch in den Restaurants oder an Versammlungen bin ich ein gern gesehener Gast. Auch die Erwachsenen freuen sich über meinen Besuch. Teilweise gibt es dann andere Sprüche. Als schönstes Erlebnis ist mir ein Besuch in einer Bauernfamilie geblieben. Drei Generationen in der Stube. Der Handörgeler machte Musik, die Eltern und Grosseltern tanzten in der Stube bzw. dem Hofplatz und die Kinder hüpften um den Stab des Samichlauses. Das war ein Gaudi.

Erlebt man auch mal lustige Sachen?
Ich hatte ein Kind zu ermahnen, welches oft mit den anderen Kindern stritt. Als ich ihm ins Gewissen redete, sah es mich mit grossen Augen an und sagte: «Aber Samichlaus, mis Mami ond mine Papi striited vöu meh als ech!» Die Eltern kriegten einen roten Kopf, worauf ich dem Kind sagte, dass der Samichlaus bei seinen Eltern - als diese noch Kinder waren – offenbar zu wenig ins Gewissen geredet hatte, weshalb diese es bis heute nicht gelernt haben... Du wirst dass jetzt eben besser machen.

Lieber Samichlaus, was machst du eigentlich im Sommer?
Tja im Sommer mache ich ein paar Tage Ferien. Aber der Samichlaus fährt nicht ans Meer zum baden, sondern reist in den hohen Norden von Dänemark.

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