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Anzeiger vom Rottal
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«Ohne Informationen ist man immer benachteiligt»

Lis Haupt in Ihrem gemütlichen Zuhause «Schorehüsli» ob Ruswil. In der Hand eine Broschüre «Willkommen in der Schweiz». Foto Gertrud Kaufmann-Meyer

 

Migrantinnen und Migranten können es schwer haben, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Lis Haupt engagiert sich seit über 15 Jahren in der «Arbeitsgruppe für Integration» in Ruswil.

Gertrud Kaufmann-Meyer

«Es ist die persönliche Betroffenheit, die etwas in mir auslöst,»nennt Lis Haupt den Grund für ihren freiwilligen Einsatz für Menschen aus vorwiegend fremden Kulturen. Als sie noch an der Schule in Ruswil Deutsch für fremdsprachige Kinder unterrichtete, ergaben sich persönliche Kontakte zu den Familien der Kinder. Bald wurde Lis zu einer Art Ansprechperson, wenn Probleme auftauchten. «Für Migranten und Migrantinnen ist es oft schwierig, sich in unserer Fülle von Informationen zurechtzufinden. Dies ist uns Einheimischen meistens gar nicht bewusst, wenn wir uns ärgern, weil zum Beispiel ein Termin verpasst wurde. Dabei wäre eine kurze persönliche Mitteilung oder eine Nachfrage sinnvoller als das zu viele Schriftliche. Ausserdem wissen Neuangekommene oft nicht, wie sie zu wichtigen Informationen kommen oder welche Informationen fürs Sich Zurechtfinden hilfreich sein können. Dadurch beginnt unbewusst eine Benachteiligung.» Durch die Kontakte zu einzelnen Migrantenfamilien wird Lis Haupt auch mit existentiellen Problemen wie Arbeits- und Wohnungssuche konfrontiert. «Eine familiengerechte Wohnmöglichkeit und eine existenzsichernde Arbeit sind zwei Grundbedürfnisse, die als erstes befriedigt sein müssen. Erst dann wird Energie frei fürs Umfeld und weitere Interessen. Diese Phase dauert leider oft über mehrere Jahre.» so die Erfahrung der ehemaligen Lehrerin. «Um den Migranten und Migrantinnen den Neuanfang in unserem Dorf zu erleichtern, wäre eine offizielle Anlaufstelle wünschenswert.»

Frauen helfen Frauen
Mittlerweile sind es sechs Frauen, drei davon mit Migrationshintergrund, die sich in Form einer Arbeitsgruppe der Situation von Migranten-Frauen und deren Familien in Ruswil annehmen. «Die Kontakte ergeben sich oftmals durch unsere monatlichen Frauentreffs», sagt Lis Haupt. Diese Treffs bilden einen festen Bestandteil des von der «Arbeitsgruppe für Integration» angebotenen Halbjahresprogramms. Die Anlässe, zu denen auch Einheimische willkommen sind, werden regelmässig von einer Kerngruppe von Migrantinnen besucht. Weitere Begegnungen ergeben sich speziell in diesem Jahr beim Kulturznacht, wo bei feinen Gerichten aus aller Welt Kontakte entstehen können. «Durch die Menschen hier lerne ich andere Länder und deren Kultur kennen.» freut sich Lis Haupt. «Da auch junge Migrantinnen an unseren Anlässen teilnehmen, suchen wir ebenfalls jüngere Frauen oder auch Männer, um in der «Arbeitsgruppe für Integration» mitzuwirken.»
«Durch unsere Offenheit und unser aktives Aufeinanderzugehen kann eine Basis entstehen, die Integration erleichtert. Wir dürfen nicht erwarten, dass diese Menschen, jeder mit seiner einzigartigen Lebensgeschichte und kulturellen Prägung, mit seinen aus seiner Tradition übernommenen Wertvorstellungen sich unserem «Hiesigen» völlig anpassen soll. Natürlich müssen unsere Vorgaben und Regeln eingehalten werden. Integration braucht Zeit und Engagement. Integration ist ein gegenseitiger Prozess, an dem sich beide mit gegenseitigem Respekt beteiligen müssen: die Neuankommenden und die Aufnahmegesellschaft der Ruswilerinnen und Ruswiler; ein Prozess, der über mehrere Generationen dauern kann.

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