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Anzeiger vom Rottal
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Ein Liebesdienst im Alter

Der Garten bereitet Annerös Bucher viel Freude. Foto Gertrud Kaufmann-Meyer

 

Seit über 30 Jahren besucht Annerös Bucher kranke Betagte und ist im Kommuniondienst tätig. Ihr tiefer Wunsch: «Freude und Zuversicht bei den einsamen Menschen zu wecken.»

Gertrud Kaufmann-Meyer


Fast wöchentlich geht Annerös Bucher ins Alterswohnheim Schlossmatte oder zu Betagten nach Hause und bringt mit ihrem Besuch ein Stück Alltag in die von Krankheit und Gebrechen geprägten Leben. Die Betagten freuen sich jeweils sehr auf ihren Besuch. Selbst bereits 80 Jahre alt, kennt die gebürtige Ruswilerin viele Bewohner und Bewohnerinnen schon seit Jahrzehnten. «Oft erzähle ich etwas aus dem Umfeld, etwas positives, vielleicht etwas von den Kindern,» berichtet sie. Dieser Besuchsdienst, ursprünglich von der Frauenorganisation FMG ins Leben gerufen, wird durch das Pfarreibüro der katholischen Kirche Ruswil organisiert. Zurzeit sind es elf Frauen und ein Mann, alle im Seniorenalter, welche sich in dieser Aufgabe engagieren. Begleitet und unterstützt werden sie von Theres Studer, Beauftragte der kirchlichen Seniorenarbeit. In den Anfangsjahren leitete Annerös Bucher die Besuchsgruppe selbst und nutzte das Weiterbildungsangebot der Pro Senectute. «Verschwiegenheit ist etwas sehr wichtiges,» betont sie. «Bei wachsendem Vertrauen entstehen sehr persönliche Gespräche. Nebst körperlichen Leiden ist es schwierig zu akzeptieren, dass der Kreis von geliebten Menschen stets schwindet.» Annerös Bucher, selbst seit einem Jahr Witwe, nimmt sich die Zeit und hört zu. «Ich versuche die Person auf einen positiven Gedanken zu bringen. Manchmal entsteht das Bedürfnis zu beten oder ein passender Text kann Trost und Zuversicht spenden. Oft wünschen sich die Betagten mehr Besuch von Angehörigen. Dann ist es hilfreich, das Verständnis für die heutigen Generationen zu fördern.»
Was motiviert die rüstige Rentnerin in Ihrem Dienst? «Die Freude und Dankbarkeit, wenn ich komme; die herzlichen Beziehungen und es gibt auch lustige Erlebnisse. Ich sehe es als einen sozialen Liebesdienst,» so die Antwort. «Eindrücklich ist für mich, wenn sich eine Person bis ins Innerste öffnet. Da zeigt sich plötzlich ein Mensch, so wie man ihn zuvor nie eingeschätzt hätte.» Diese intensive Erfahrung macht sie besonders, wenn sie den schwer kranken Menschen das Heilige Brot spendet. Dieser Kommuniondienst macht sie schon seit mehr als 20 Jahren.

Jugendjahre waren prägend
Wieso sie sich das halbe Leben sozial engagiert hat, weiss Annerös Bucher nicht. Als Kind einer Grossfamilie, sah sie die Not ihrer Mutter, weil der Vater, durch den Militärdienst in zwei Weltkriegen geschwächt, schwer erkrankte. Sie unterstützte ihre Mutter tatkräftig und entschied nach der Schulzeit zu Hause zu arbeiten. Vielleicht liess diese Erfahrung ihre soziale Ader wachsen. «Doch das ist nicht so wichtig», meint sie bescheiden und fügt an: «Das Leben läuft einfach.»
Wenn Annerös Bucher nicht auf Besuch ist, liest sie gerne ein Buch oder pflegt den Kontakt zu ihren drei Kindern und zwei Grosskindern. Viel Freude und Erholung bereitet ihr auch der schöne Garten. Sie schätzt die Freundschaften in ihrer Umgebung und kümmert sich auch da um das Wohl einer betagten Nachbarin.

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