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Anzeiger vom Rottal
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Der Glöckner von der Flüsskapelle

Thomas Muff beim Läuten der Glocke. Foto Gertrud Kaufmann-Meyer

 

Hoch über dem Sempachersee, an der Grenzscheide zwischen Ruswil und Nottwil, erstrahlt die Flüsskapelle im Abendrot. Es ist 19.30 Uhr. Thomas Muff macht sich auf den Weg. Wenig später erhallt über die Weite der Glockenklang  zum zweiten Mal an diesem Tag. Wie bereits der Grossvater, dann der Vater; so läutet Thomas Muff jeden Tag die Glocke der Flüsskapelle.

Gertrud Kaufmann-Meyer

Morgens bevor Bauer Thomas Muff seine Kühe melkt, begibt er sich zur Kapelle und schliesst die Eichentüre auf. Der zweite Gang zur Kapelle ist pünktlich um 12 Uhr. Dann läutet er die Glocke zwei Minuten lang. So lange dauerte das traditionelle Gebet des Glöckners: «Der englische Gruss». «Dieser Rythmus hat sich fest in unseren Familienalltag eingeprägt.» erzählt Thomas Muff in der gemütlichen Wohnküche und nimmt liebevoll seinen kleinen Sohn Simon auf den Schoss. Hier, weniger als 100 Meter von der Kapelle entfernt, auf dem gleichnamigen Hof Flüss lebt Thomas Muff mit seiner Frau Heidi und ihren drei Kindern. Im schmucken Bauernhaus mit Ausblick zur Kapelle oder bei der Arbeit auf dem Land  _  die Kapelle ist stets gegenwärtig. «Es würde etwas fehlen, wenn ich diesen Dienst nicht mehr machen würde,» meint Thomas Muff schmunzelnd. «Es gehört einfach zu uns.» Schon als kleiner Bub ist er zum Läuten mitgegangen, und später hat er als Ministrant an Hochzeiten sein Sackgeld verdient. So entwickelte er eine ganz besondere Beziehung zur Flüsskapelle. Natürlich heirateten Muff’s und tauften ihren Nachwuchs in «ihrer» Kapelle. «Für jemand anderen ist es vielleicht schwer zu verstehen, dass ich diesen Dienst gerne mache, es bedeutet für mich keine Last. Ich mache dies absolut freiwillig,» erklärt er. Schliesslich läutet Muff nicht nur an Werktagen. Am Samstagabend läutet er gleich mit beiden Glocken um den Sonntag einzuläuten. Das ist gar nicht so einfach. Denn für einen gut klingenden Glockenschlag muss man am Seil der grösseren Glocke sieben Mal ziehen, während dessen man acht Mal am Seil der kleineren Glocke ziehen muss. «So gut wie ich, schaffte dies fast keiner, nicht mal mein Vater» freut sich der Glöckner spitzbübisch. «Hingegen so exakt wie die Eltern, nimmt es die jüngere Generation nicht mehr: «Wenn wir am Sonntag zum Essen eingeladen sind, dann läutet ausnahmsweise niemand die Glocke.»
Nebst dem Läuten der Glocken gibt es weitere Arbeiten, die gemacht werden müssen, um diesem Kleinod seinen äusseren Glanz zu verleihen. Mit viel Liebe und Hingabe hegt und pflegt Theres Meier, Waldhüsli, die Flüsskapelle. Sie hält sie sauber, wechselt die beliebten «Kerzli» aus, und ziert sie mit eigenem Blumenschmuck.

Spaziergänger finden hier Stille
In früheren Zeiten wurde die Flüsskapelle von Pilgern zur Linderung der Zahnschmerzen besucht. Heute gilt das Kleinod, welches der Mutter Gottes geweiht ist, vorwiegend als Heirats- und Taufkapelle. Viele Spaziergänger finden hier einen Raum der Stille. Es verwundert nicht, dass dieser idyllische Platz mit den beiden alten, herrschaftlichen Linden gerne für andere gesellschaftliche Anlässe genutzt werden würde. Dazu sagt Thomas Muff: «Diese Kapelle liegt mir sehr am Herzen. Es wäre schade, wenn dieser Ort für irgendwelche Kaffee-Bars missbraucht würde. Es ist wichtig, dass wir Orte haben, wo Leute, auch solche die sonst nicht mehr viel mit der Kirche zu tun haben wollen, zur Stille finden können. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies so bleibt.»

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