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Elisabeth Schmid: «Ich erhalte sehr viel zurück»

Elisabeth Schmid hilft regelmässig im Hof Obergrüt mit, die Demenzkranken zu ­beschäftigen. Auch zuhause, hier in ihrem herrlichen Rosengarten, betreute sie schon Demenzkranke. Foto Monika Burger-Schwarzentruber

 

Die 63-jährige Elisabeth Schmid-Huwiler macht sich jeden Dienstag Richtung Hof Obergrüt auf, um mit anzupacken, wo man sie braucht. Die Arbeit mit demenzkranken Personen sei auch ein Dienst an der Gesellschaft, findet sie.

Monika Burger-Schwarzentruber

Der Traumberuf von Elisabeth Schmid wäre eigentlich Krankenschwester gewesen. «Ich helfe kranken Menschen sehr gerne», erklärt die 63-Jährige. Sie würde dies sogar als ihr Hobby bezeichnen, sie habe wohl ein ausgesprochenes Muttersyndrom, erzählt sie lachend. Die  Ehefrau, vierfache Mutter und mittlerweile neunfache Grossmutter suchte sich, als ihre Kinder etwas grösser waren, neben der Arbeit zuhause eine weitere Beschäftigung. Sie begann im Alters- und Pflegeheim Lippenrüti in Neuenkirch mit Nachtwache und half später auch tagsüber in der Pflege. «Die Schreibarbeit und der Druck wurden mir aber zuviel. So ging ich etwas früher in Rente.» Nur noch zuhause herumzusitzen, kam für Bethli, wie sie genannt wird, jedoch nicht in Frage.  

Ein grosser Wunsch
Die Entstehung und Entwicklung des Hofes Obergrüt zwischen Werthenstein und Sigigen hat die Hausfrau aus Hellbühl genau verfolgt. Auf dem Hof Obergrüt unterhält Familie Hafner eine Dienstleistung für Demenzkranke. Angeboten werden Tagesbetreuungen und Ferienaufenthalte. Das Ziel ist, den Demenzkranken eine Abwechslung zu bieten und die Angehörigen zu entlasten. «Mich interessierte dies sehr und das Konzept überzeugte mich. Eigentlich war es schon immer klar, dass ich auf dem Hof Obergrüt mithelfen möchte», erklärt sie bestimmt. Also setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um und fragte bei Familie Hafner an, ob man unbezahlte Hilfe bräuchte. Dieses Angebot wurde gerne angenommen. Seit rund einem Jahr verbringt Elisabeth Schmid ihren Dienstagnachmittag nun also auf der Obergrüt. Auch steht sie auf Abruf bereit, wenn Not an der Frau ist. Sie verrichtet alle anfallenden Arbeiten wie kochen oder putzen und nimmt sich viel Zeit für die Demenzkranken. «Ich gehe mit ihnen spazieren, wir jassen oder singen gemeinsam, ernten Kräuter und machen Obst ein. Wir beziehen die Gäste überall ein, je nach Interesse und Fähigkeiten», umschreibt die Helferin ihre Tätigkeit.

Tabuthema
Elisabeth hat eine klare Meinung: «Die Demenzkranken werden in unserer Gesellschaft vernachlässigt. Noch immer ist die Krankheit ein Tabuthema.» Sie habe in der Alterspflege gelernt, wie wichtig Herzlichkeit, Wärme und Menschlichkeit sei. «Wenn die Pflegebedürftigen dies spüren, sind sie glücklich», dies treffe auch auf Menschen mit Demenz zu. Elisabeth Schmid hat auch schon bei sich zuhause jemanden für einige Stunden betreut, der an Demenz erkrankt ist. «Ich habe die Person in meine Alltagsarbeit miteinbezogen und natürlich fanden wir auch Zeit, um gemütlich beieinander zu sitzen und zu reden», erklärt sie. Organisiert wurde dieser Besuch vom Verein «Quelle». Neu sollen Demenzkranke auch in ihrem gewohnten Umfeld für einige Stunden eine externe Betreuung erhalten. So können die Angehörigen in Ruhe Termine wahrnehmen. «Auf dem Hof Obergrüt kann man sich dafür die notwendige praktische Erfahrung erarbeiten. Der Verein Quelle vermittelt das theoretische Wissen. Denn die Sicherheit des Betreuers im Umgang mit Demenzkranken bedeutet auch Sicherheit für die Person mit Demenz», erklärt die engagierte Rentnerin. Für die Betreuung zuhause werden weitere Freiwillige gesucht.
Während ihrer Freiwilligenarbeit gibt Elisabeth Schmid viel. Doch auch wenn es noch so streng ist, sie habe nie das Gefühl sie müsse jetzt noch etwas tun, sondern es sei immer ein dürfen. «Ich habe in der Arbeit mit den demenzkranken Personen nie das Gefühl, müde zu sein», ergänzt sie. Vielleicht kommt dies daher, dass sie «sehr viel zurückbekommt». Ausserdem sei ihre Arbeit auch ein Beitrag an die Gesellschaft, ist Elisabeth Schmid überzeugt.

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