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Luzia Koch: "Der Tod bedeutet nicht das Ende"

Luzia Koch: "Es erfüllt mich mit grosser Achtung und Zufriedenheit sterbende Menschen zu begleiten." Foto Gertrud Kaufmann-Meyer

 

Luzia Koch begleitet seit Jahren sterbende Menschen. Das Loslassen ist für sie eine der grössten Herausforderungen in ihrem eigenen Leben.

Gertrud Kaufmann-Meyer

Angefangen hatte alles vor rund 10 Jahren. Luzia Koch arbeitete damals schon seit 13 Jahren bei der Spitex in Grosswangen. Zu einer Klientin hatte sie eine besonders enge Beziehung. Diese Verbundenheit blieb auch bestehen, als sich der Gesundheitszustand dieser Frau so sehr verschlechterte, dass ein Eintritt ins Pflegeheim unumgänglich war. "Als sie dann am sterben war, verspürte ich ein tiefes Bedürfnis bei ihr zu sein," erzählt die gelernte Pflegefachfrau.

Einsätze in der Nacht

Seitdem begleitet Luzia Koch immer wieder Sterbende. In Grosswangen sind es zurzeit sieben Frauen, welche sich freiwillig und unbezahlt engagieren, dass die Sterbenden in dieser schwierigen Phase nicht allein gelassen sind. Sitzwache, wie sich neu dieser Dienst nennt, ist organisiert durch das Betagtenzentrum Linde und umfasst neben der Begleitung von Sterbenden auch die Betreuung in Krisensituationen. Der Einsatz ist hauptsächlich in der Nacht, um so die Angehörigen zu entlasten. Ihnen zur Seite steht eine Pflegefachfrau welche diese Gruppe betreut und wo sie auch Erfahrungen austauschen können.

Erfahre tiefe Zufriedenheit

"Man sollte diese Aufgabe von innen her gerne machen" ist Luzia Koch überzeugt. Begeistert erzählt die 44-jährige sympathische Frau, wie sehr sie diese Aufgabe erfüllt. "Ich sehe den Tod als Übergang in ein anderes Leben, nie als das Ende. Obschon das Loslassen manchmal noch so schwer fällt, erfahre ich die meisten Menschen, wenn dann der Tod endlich eingetroffen ist, mit einer Gesichtsausstrahlung voll tiefer Zufriedenheit." erzählt sie. "Auch spüre ich die grosse Dankbarkeit aller Beteiligten. Natürlich gibt es traurige Momente, wo auch mir die Tränen fliessen."

Luzia Koch spürt sehr gut, was die Menschen brauchen. "Manchmal kann es beruhigend wirken, die Hand zu halten; oder ich spreche ein Gebet oder summe ein Lied. Ein andermal ist es richtig, einfach nur da zu sein. Wir sorgen auch für eine schöne Atmosphäre im Raum." Sterbebegleitung erfordert auch sehr viel Geduld. "Man hört jede Viertelstunde die Kirchturmglocke läuten und die Nacht scheint eindrücklich still und unendlich. Der Tod ist mit einer Geburt vergleichbar. Auch er ist einzigartig."

 Man spürt mit welcher Hingabe Luzia Koch ihren Dienst macht. Doch gibt es auch etwas, was dadurch ihr Leben bereichert?"Ja, ich lerne buchstäblich das "Loslassen", das mir doch so enorm viel Mühe macht." Als Mutter dreier Kinder ist Luzia Koch ständig in diesem Lernprozess. Das Leben nimmt sie seither bewusster wahr.

Bei einem feinen Essen im Kreise ihrer Familie oder in der freien Natur, da schöpft Luzia Koch immer wieder neu Kraft. "Nur wer mit sich selber glücklich und zufrieden ist, kann diese Aufgabe mit Respekt und Würde erfüllen", ist sie überzeugt. Nachdenklich fügt sie an: "Wichtig ist, das Leben als Geschenk zu sehen, dankbar zu sein und es auch zu geniessen."

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