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Anzeiger vom Rottal
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Ruswil: Im Gespräch mit Peter Kohler, Projektleiter «Nationales Pferdesportzentrum»

Der Trägerverein für innovative Regionalprojekte (Tirekt) machte im Januar 2007 die Idee publik, im Rüediswiler Moos in Ruswil ein nationales Pferdesportzent­rum zu realisieren. Inzwischen werden auch die Moosächer Ziswil und Standorte in weiteren Rottal-Gemeinden thematisiert. Im Gespräch äussert sich Projektleiter Peter Kohler (Willisau) zum Projektstand und zu Chancen und Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Grossprojektes.

Interview von Erwin Ottiger

  
Peter Kohler, wo im Rottal finden in zehn Jahren nationale Pferderennen statt?
Die Initianten gaben mir den Auftrag, das Projekt in Ruswil zu verwirklichen. Das ist für mich verbindlich. Sollte sich dies als unmöglich herausstellen, wird man weiter sehen.

In der letzten Medienmitteilung vom 24. September setzte sich die Projektleitung zum Ziel, bezüglich möglichen Partnern und Landbesitzern  bis Ende Jahr gesicherte Anhaltspunkte zu gewinnen. Wie ist der Stand heute?
Wir führen Verhandlungen mit Finanz­intermediären und Gespräche mit ausgewählten Grundeigentümern. Resultate liegen noch keine vor. Sie werden verstehen, dass ich im Moment nicht auf Einzelheiten eingehen kann.

Sowohl der Ruswiler Gemeinderat wie auch die Projektleitung sprechen von Chancen, insbesondere für die Gemeinde Ruswil, aber auch für die Landwirtschaft. Konkret?
Wir sind überzeugt, dass das Projekt wirtschaftlich und kulturell interessant ist. Es würde Arbeitsplätze, Aufträge an das Gewerbe und Zusatzeinkommen für die öffentliche Hand bringen. Der Landwirtschaft, die neue Wege suchen muss, eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten: Eine Pferdesportanlage braucht Betreuungspersonal und Landschaftspfleger. Aber nicht nur das. Eine solche Anlage kann auch für das Dorfleben im Allgemeinen eine Bereicherung bedeuten. Und nicht zu vergessen: Das Dorf wird bekannt und noch attraktiver, der Wert des Baugrundes steigt.

Und für die ganze Region?
Die geschilderte Wirkung hört ja nicht an der Gemeindegrenze auf. Je stärker das Zentrum, desto stärker die Ausstrahlung.

Jede Medaille hat auch eine Kehrseite. Ihre Meinung dazu?
Selbstverständlich müssen Probleme wie Verkehrs- und Lärmbelastung sorgfältig untersucht, selbstverständlich müssen zufriedenstellende Lösungen gefunden werden. Die Lösungen sind stark standortabhängig und deshalb zum heutigen Zeitpunkt erst skizzenhaft. Ganz generell möchte ich betonen: Das Projekt will ausdrücklich den ökologischen und naturschützerischen Anforderungen genügen.

Seit dem Bekanntwerden des Projektes sind bald drei Jahre verflossen. Warum konnten bis heute keine «Nägel mit Köpfen» gemacht werden?
Der Aufwand, ein komplexes Projekt auf die Schiene zu bringen, wird allgemein unterschätzt. Denken Sie daran, dass es bis in den Sommer des Vorjahres dauerte, bis auch nur die Finanzen für die Konzeptphase beisammen und die nötigen Verträge mit dem Kanton abgeschlossen waren. Das Projekt wird bekanntlich auf der Grundlage der Neuen Regionalpolitik (NRP) finanziell unterstützt (Anmerkung der Redaktion: Das Projekt wird von Bund und Kanton mit einem Zweijahres-Betrag von jeweils 125 000 Franken pro Jahr gefördert). Ich selber bin erst seit gut einem Jahr dabei. Wir mussten von Grund auf alles selber erarbeiten, Marktforschung, Tourismus, Kosten-Nutzen-Vergleiche, Investitionskosten- und Flächenbedarfsschätzung etc. Wir sind – als Milizorgan! – sehr rasch und zielgerichtet vorangekommen.

Was glauben Sie, warum der Grundtenor in der Bevölkerung eher verhalten ist?
Ich beobachte zweierlei: Zum einen kann man sich nicht recht vorstellen, wie das funktionieren soll, und zum andern fürchten viele um die Beschaulichkeit des Dorflebens. Das ist eine gesunde Skepsis, aber: wer nie etwas wagt, wird nie etwas gewinnen.

Neben der Gemeinde Ruswil haben auch die restlichen Gemeinden im Rottal ihr Interesse am Projekt angemeldet. Inoffiziell wurde auch Sempach als möglicher Standort gehandelt. Gibt es mit dieser Gemeinde schon konkrete Verhandlungen?
Wir haben vom Projekt aus unverbindliche Anfragen an verschiedene Gemeinden von RegioHER gerichtet. Sempach liegt ausserhalb dieses Perimeters. Projektseitig wurden zu keinem Zeitpunkt Vorstösse in Richtung Sempach unternommen. Folglich gab und gibt es keine Verhandlungen mit Sempach.

Vor bald drei Jahren sagte Initiant Pius Galliker in dieser Zeitung, dass Landwirte, die zum Projekt Hand bieten, der wirtschaftlich schwierigen Situation in der Landwirtschaft clever Paroli bieten können. Der Druck auf die Landwirtschaft ist inzwischen noch grösser geworden. Da müssten sich potenzielle Landbesitzer eigentlich um das Projekt reissen?
Ich stelle mit Bewunderung fest, dass es in Ruswil einen stolzen, selbstbewussten Bauernstand gibt. Auf vielen Höfen steht schon die nächste Generation bereit. Das ist keine Landwirtschaft auf dem Absprung. Man traut sich hier zu, die Herausforderungen der Zukunft aus eigener Kraft zu meistern. Das beeindruckt mich. Aber wir sind nach wie vor überzeugt, dass das Projekt gerade aus dieser Sicht, das heisst bei der Suche nach den zukünftigen Geschäftsmodellen einer modernen Landwirtschaft, einen attraktiven Mosaikstein bilden kann.


Wie sieht die Finanzierung aus. Hat sich die herrschende Wirtschaftskrise bis in die Pferdesportszene bemerkbar gemacht?
Wir hören, dass es mit dem Sponsoring gegenwärtig etwas harzt. Aber Investoren denken langfristig, und Sponsoren gehen ihren Liebhabereien nach. Von tiefer greifenden Auswirkungen sieht man wenig und nichts.

Welche Bevölkerungsschichten sollen mit dem Pferdesportzentrum angesprochen werden?
Wir sind völlig überzeugt, dass das Pferdesportzentrum nur realisiert und zum Leben gebracht werden kann, wenn möglichst viele Freude daran haben. Das fängt natürlich bei den Pferde- und Pferdesportfreunden an. Aber es geht weiter. Das Naherholungsgebiet soll nicht nur erhalten, sondern aufgewertet werden, zum Beispiel durch den Teich der Bewässerungsanlage – ein Biotop erster Güte. Das Bistro, in einer lieblichen Natur gelegen, könnte zu einem zusätzlichen Treffpunkt für die verschiedensten Bevölkerungskreise werden. Wir könnten uns auch eine Pony-Farm für Familien mit Kindern vorstellen. Wir wälzen Pläne für eine kleine Einkaufs- und Erlebniswelt für junge Reiterinnen und eine Pferdeklinik. Im Idealfall wird dort ein Begegnungszent­rum für die Region entstehen, das naturverbundene Menschen unterschiedlichster Interessen anzieht.

Wie sehen Sie die Zukunft des Projektes: nächste Schritte, Zeitplan und so weiter?
Ich führe das Projekt auf  der Grundlage eines mit dem Auftraggeber vereinbarten Zeit- und Massnahmenplans. Die nächsten Monate werden der Suche nach dem bestgeeigneten Standort, der Suche nach Sponsoren und Investoren und der Weiterentwicklung des Bauprojektes dienen.

Zur Person
Peter Kohler wurde am 22. Februar 1942 in Konolfingen geboren. Aufgewachsen in Thun und Steffisburg, besuchte er die Primar- und Sekundarschule in Thun und Steffisburg sowie das Gymnasium in Thun. Peter Kohler absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern und an der Harvard University in Cambridge USA, Dr. rer. pol. Tätigkeiten: Chef Finanzen und Administration in mittleren und grossen Schweizer Unternehmungen, Mitglied der Geschäftsleitung Schweiz. Post. Heute ist er als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Peter Kohler wohnt in Willisau, ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Freizeit und Hobbys: Bergsteigen, Skifahren, bildende Künste, Oper, Schauspiel.

 

Öffentliche Veranstaltung vom Dienstagabend, 10. November 2009

Keine neuen Fakten

Am Dienstagabend fand im Pfarreiheim  die erste öffentliche Orientierung zum geplanten nationalen Pferdesportzentrum statt. Wer neue Fakten erwartete, wurde allerdings arg enttäuscht. Zwar lobbyierten sowohl Projektleiter Peter Kohler, Gemeindepräsident Leo Müller und Tirekt-Präsident Toni Galliker vor den rund 200 Besuchern für das Projekt. Weder die Standortfrage noch die Frage der Finanzierung konnte beantwortet werden. Eine angeregte Diskussion unter Traktandum Fragen und Antworten kam nicht zu stande. Laut Peter Kohler konnte bis heute die Marktforschung und das touristische Potenzial abgeklärt sowie bauliche Module skizziert werden. Von dem Förderbeitrag der Neuen Regionalpolitik (NRP) von insgesamt 250 000 Franken seien bis heute 170 000 Franken ausgegeben worden. Die grössten Posten sind: Kommunikation (16 000 Franken), Studie Investitionskosten und Flächenbedarf (28 000), Projektleitung und Administration (98 000). Bei «günstiger» Entwicklung rechnet die Projektleitung bis Mitte 2011, dass die Verträge mit Grundeigentümern abgeschlossen, die Finanzierung der 1. Bauetappe sichergestellt und das Umzonungsverfahren eingeleitet ist. Baubeginn der 1. Etappe könnte laut Tirekt frühestens Mitte 2012 erfolgen.

 

Hier finden Sie Bilder von Anlässen aus der Region. Aktuell: Ruswil: Rückkehr von Jungwacht und Blauring aus dem Sommerlager 2017.
 
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